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How to not buy a dress

Feinste kardinalrote Spitze, hochgeschlossen, dafür ein Hauch Transparenz, üppig verziert mit rubinroten Glitzersteinen. Signori Dolce e Gabbana, mit der aktuellen Herbst/Winterkollektion haben Sie sich endgültig in mein Modeherz geschneidert. Ihr berauschendes Defilee hat mich von winterlichen Parties träumen lassen, ich sah mich schon den passenden Lippenstift zu einem Ihrer Kleider aussuchen.
Scusi, aber warum quälen Sie mich so?
In jedem, wirklich jedem größeren Modemagazin sticht mir Ihre Anzeige innerhalb der ersten zwanzig Seiten erst ins Auge und dann mitten ins Herz, in meiner Fantasie sehe ich meine blonden Locken über spitzenbedeckte Schultern fallen und in der Realität schiebe ich ächzend eine Lücke im Kleiderschrank frei, damit Ihre Kreation in meinem eigenen kleinen Modemuseum einen würdigen Platz findet. Und was tun Sie?! Sie produzieren nicht. Niente.

Mir ist klar, dass ein geringes Angebot die Nachfrage schürt, ich weiß, wie Begehrlichkeiten geweckt werden, aber das - nein, so nicht - das kann doch nicht Ihr Ernst sein!

Als ich vor einigen Wochen bei Dolce&Gabbana am Berliner Kurfürstendamm mit erhabenem Blick zur Tür hereinrauschte, entschlossen, eine Menge Geld auszugeben, mich gar nicht erst nach der restlichen Kollektion umguckte, sondern mit wehenden Haaren einen kompetent aussehenden Verkäufer anpeilte - italiano naturalmente - und nach den bezaubernden roten Spitzenkleidern, nein, natürlich nicht den normalen, sondern den mit den Steinen fragte, wurde ich bitterlichst (bitterlichst!) enttäuscht. "Die Kleider aus dem Defilee? Nein, die wurden nicht produziert. Die gibt es gar nicht."
Ich kenne diesen Satz, der schreckt mich nicht ab. Mit zusammengekniffenen Zähnen und einem frösteligen Lächeln erklärte ich ihm, dass wir ja nun alle die Kleider gesehen hätten, sie seien in allen Magazinen abgebildet, ich bin mir sicher, dass sie existieren und schreie ihn in meinem Kopf an 'erzählen Sie mir nicht, dass es die nicht gibt!'. "Ja gut, die gibt es schon, aber eben nur einmal, es gibt nur das eine Sample." Und dann ging es weiter, eine tragische Arie aus: In Mailand kann man das eventuell bekommen...blablabla...es kostet ein Vermögen...blablabla...wahrscheinlich geht es aber eh gleich ins Archiv. Ob ich wissen wollte, was es ungefähr kosten würde. Ein hochhäuptiges "Ja". "Ungefähr dreißigtausend Euro". Grazie, alles klar.

Und nun zu Ihnen, Dottores Domenico und Stefano: Das tut man einer Frau nicht an. Wo wir schon dabei sind: Ich war früher nie ein großer Fan von Ihnen. Da Sie aber seit einigen Kollektionen Kleider im Stil der jungen Sophia Loren entwerfen, eine Mischung aus italienischer Leidenschaft und Zugeschlossenheit kreieren, sind Sie mir ans Herz gewachsen. An mein Herz, in das nicht jeder Designer so einfach Eintritt erhält, an das Herz, das sie mit scharfer Schere zerschneiden, ohne es mit rotem Faden wieder zuzunähen. Tun Sie mir einen Gefallen: Machen Sie es wieder gut. Nächsten Winter, Glitzersteine, Spitze, von mir aus schwarz, petrol steht mir aber auch ganz gut.

Die Anzeige
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das Objekt meiner Begierde
das Objekt meiner Begierde
wurde tatsächlich einmal verkauft: für 37000 Euro bei net-a-porter
wurde tatsächlich einmal verkauft: für 37000 Euro bei net-a-porter
Alle Fotos: www.dolcegabbana.de